Auf der Suche nach einer Alternative zu Kapitalismus und KommunismusVor etwas mehr als 100 Jahren veröffentlichte Gesell seine ersten Werke über eine Reform des Geldwesens. 1891/92 erschienen in Buenos Aires seine "Reformation im Münzwesen", "Nervus rerum" und "Die Verstaatlichung des Geldes". Damit war der Grundstein für seine Lehre von der "Natürlichen Wirtschaftsordnung" (so lautete der Titel seines späteren Hauptwerks) gelegt. Seit im Westen ökologische Grenzen des wirtschaftlichen Wachstums sichtbar geworden sind und seit im Osten der Marxismus abgewirtschaftet hat, ist die Suche nach wirtschaftspolitischen Alternativen zum Kommunismus und zum Kapitalismus wieder notwendig geworden.
"Was Silvio Gesell zu sagen hatte, war durchaus gut und enthält viel Wahres", schreibt der amerikanische Nationalökonom Laurence Klein in seinem Hauptwerk über die keynesianische Revolution, "aber akademische Ökonomen neigen dazu, die Geldreformer zu ignorieren. Gesell und andere haben brilliante, heute durchführbare Vorschläge gemacht, doch stießen sie auf taube Ohren".
Mit vielen anderen ihrer Zeit vorausdenkenden Pionieren teilte Silvio Gesell das Schicksal, daß seine Zeitgenossen ihm die Anerkennung für seine großen Leistungen versagten. Gleichwohl ist er der Klassiker einer "Natürlichen Wirtschaftsordnung", in der soziale Gegensätze zwischen Arm und Reich überwunden und Bürger- und Völkerfrieden verwirklicht werden können. Seine zahlreichen Werke waren lange zum größten Teil vergriffen. Ihre Neuherausgabe in gesammelter Form soll den Grundstein zur wissenschaftlichen Forschung über Silvio Gesells Lehren legen.
"Gegenwärtig sind Geld und Zins wieder bevorzugte Themen der politischen und akademischen Auseinandersetzung. Kapitalverwertungszwängen verdanken wir die Vernachlässigung der Umwelt und die Verschleuderung von Ressourcen. In vielen Staaten übersteigt der Zinsendienst bereits den Sozialaufwand, Länder der Dritten Welt drohen an ihrer Zinslast zu ersticken. Konflikte über die Währungs- und Zinspolitik belasten das Klima der Staatengemeinschaft. 'Der Geldzins', wie ihn Silvio Gesell gesehen und interpretiert hat, erweist sich dabei noch immer als Prüfstein der ökonomischen Vernunft." DIE ZEIT
" 'Die Natürliche Wirtschaftsordnung' hat immer zwischen den vorherrschenden ökonomischen Lehrmeinungen des kapitalistischen Westens und des kommunistischen Ostens gestanden.
Nur vereinzelt äußerten sich sowohl bürgerliche als auch marxistische Autoren dazu - und zwar pauschal ablehnend: 'utopische Welterlösungsideen', 'nicht wissenschaftlich, da nicht wertfrei, sondern auch politisch'. Erst in den 50er Jahren mehrte sich die Zahl der Befürworter. Und nicht zuletzt erfuhr Gesell Anerkennung durch den amerikanischen Geldtheoretiker Irving Fisher und sogar durch John Maynard Keynes. Dennoch ging die weitere Entwicklung nach dem zweiten Weltkrieg in eine wachstumstheoretische Richtung.
Erst in den letzten zehn Jahren nimmt das Interesse an Gesells Werk wieder zu. Dieses Modell einer sozial gerechteren und friedlicheren Welt wird nach dem Zusammenbruch des Kommunismus vielleicht wieder ein interessanter Gedankenansatz, der auch die sozialen Ungerechtigkeiten des Kapitalismus nach innen und nach außen überwinden helfen könnte." MANAGER SEMINARE
Weitere Informationen finden Sie auf www.silvio-gesell.de